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Über den Elternkurs und seine Entstehung - Ein Interview
Das Interview Welche Erfahrungen haben Sie bisher mit Ihren Triple P Elterntrainings gemacht? Was waren die häufigsten Rückmeldungen Ihrer Teilnehmer? Was war Ihr größter Erfolg? Gab es auch Familien, denen Sie nicht helfen konnten? Was hat Ihnen am Triple P Programm gefallen?
Worin besteht Ihre Kritik am Triple P Programm?
Was hat Sie bewogen, nun Ihren eigenen Elternkurs zu starten?
Was ist in Ihrem Elternkurs anders?
Welche Inhalte werden im „Elternkurs“ denn konkret behandelt?
Was ist Ihnen selbst in der Erziehung Ihrer eigenen Kinder am wichtigsten? Was ist der Vorteil eines unabhängigen Trainings?
Hat es Nachteile, wenn Sie nicht mehr als Triple P Trainerin, sondern "in eigener Sache" aktiv sind?
Das Interview
Welche Erfahrungen haben Sie bisher mit Ihren Triple P Elterntrainings gemacht?
Von 2003-2005 in 7 Kursen über 100 Eltern betreut
Eltern geben eher Geld für Kleidung/ Spielsachen als für Erziehung aus
Als freiberufliche Trainerin kann man von Triple P Kursen nicht leben
In den zwei Jahren meiner Triple P Lizenzierung habe ich freiberuflich 7 Kurse geleitet und Erfahrungen mit über 100 Eltern gemacht. (Wenn Sie weitere Infos über Triple P wünschen, klicken Sie bitte hier.) Es ist nicht so einfach, ohne Anbindung und finanzielle Unterstützung durch eine Institution einen vertretbaren Werbe- und Zeitaufwand zu treiben, um Teilnehmer zu akquirieren. Leben kann man davon keinesfalls, zumal bei vielen Eltern die Bereitschaft zur Zahlung einer angemessenen Teilnahmegebühr von etwa 100,- bis 150,- EUR nicht gegeben ist.
Gleichwohl beobachte ich als Mutter zweier Kinder täglich, welche unendlichen tränenreichen und kraftraubenden Szenen sich zwischen Müttern und Kindern abspielen – und dass oft genau diese Mütter viel Geld für Markenkleidung und Spielzeug auch schon bei ihren Kleinkindern ausgeben. Ich halte es für eine wesentlich bessere Investition, als Mutter souverän und handlungsfähig im Umgang mit meinen Kindern zu sein (was solch ein Elterntraining ganz deutlich fördert), als sie und mich mit letztendlich unbefriedigenden materiellen Dingen kurzfristig ruhig zu stellen.
Was waren die häufigsten Rückmeldungen Ihrer Teilnehmer?
Mütter kommen erschöpft und werden wieder handlungsfähig
Die schönen Momente mit den Kindern werden wieder mehr
Auch die Partnerschaft profitierte deutlich von der KursteilnahmeLiebe und Grenzen setzen schließen sich nicht aus
Etwa 80% meiner Teilnehmer waren Mütter. Sie kamen häufig deutlich erschöpft in meine Kurse und wünschten sich sehnlichst wieder mehr Ruhe und Frieden in ihrem Familienalltag. Immer wieder sagen mir Mütter, dass ihnen die Erziehung ihrer Kinder zwar große Freude bereite, dass sie es sich aber eben lange nicht so kraftraubend und mühselig vorgestellt hatten. Nach dem Kurs sagten mir dann dieselben Mütter, dass sich in ihren Familien genau diese Situation nachhaltig und deutlich entspannt habe. Keine endlosen Kämpfe und Argumentationsgefechte mehr, sondern klare Ansagen und deutliche Grenzen schafften ihnen nun genau den Freiraum, mit ihren Kindern wunderschöne entspannte Momente der Gemeinsamkeit erleben zu können.
Mütter schrieben mir wunderschöne Dankeskarten, weil sie verstanden hatten, dass man sein Kind über alles lieben kann und ihm trotzdem ganz klare Grenzen zeigen und ganz klare Regeln im Miteinander aufstellen und durchziehen kann. Das erfordert natürlich Zeit und Ideen, also Erziehung als Selbstläufer gibt es nicht.
Was war Ihr größter Erfolg?
Eine zu nachgiebige selbstunsichere Mutter gewann wieder Zutrauen zu sich und konnte ihren „widerspenstigen“ Sohn wieder lieben und erzieherisch erreichen.
Eine teilnehmende Mutter hatte 2 Kinder im Alter von 6 und 1 Jahr. Sie war so eine ganz liebe, ruhige und geduldige Frau, die total daran kaputt ging, dass ihr Großer machte, was er wollte und sich überhaupt nicht mehr um das kümmerte, was sie sagte. Er bestimmte, wann er fernsah, was er wann aß, kritisierte ihre Kochkünste wie ein garstiger Ehemann und machte sie für alle seine Fehler (vergessene Sportsachen, Zuspätkommen zur Schule etc.) verantwortlich. Im Kurs lernte sie das Handwerkszeug und in den Telefonkontakten wurde sie sicherer, wieder selbst die Erziehungsfäden in die Hand zu nehmen. Sie lernte, ihren Selbstwert nicht aus der Kritik ihres Sohnes zu beziehen sondern daraus, was sie schaffte, setzte ihm Grenzen und stand dazu. Sie erfand sinnvolle logische Konsequenzen für das Fehlverhalten ihres Sohnes und konnte ihn auch wieder mit liebenden Augen sehen und sich auf gemeinsame Dinge mit ihm freuen. Das war harte Arbeit, die auch von mir mehr Einsatz als die 4 bei Triple P vorgegebenen Telefonkontakte erforderte, aber es hat sich echt gelohnt!
Gab es auch Familien, denen Sie nicht helfen konnten?
Eine Mutter, die zu stolz war, Fehler zuzugeben.
Eine Familie, in der die Mutter einfach nicht loslassen konnte.
Ja, zwei Familien sehe ich vor mir. Die eine Mutter kam schon von Anfang an mit Ressentiments zum Kurs (ich vermute, sie kam, weil sie Anschluss unter den Kindergarteneltern suchte und nicht, um sich mit ihrem Erziehungsstil zu beschäftigen) und sagte immer nur, dass sie das alles schon wüsste. Sie war zu stolz, ihre eigenen Misserfolge und Erfahrungen einzubringen und hat auch keinen der Telefontermine wahr genommen.
Ein anderes Ehepaar wollte gemeinsam teilnehmen. Er war aber beruflich viel unterwegs und dadurch nur 2x da. Ihr waren die Kinder bereits so über den Kopf gewachsen, dass sie zuhause gar nicht weg kam, um zum Kurs zu kommen, weil sie sich von dem Theater ihrer Kinder total einschüchtern ließ bzw. vom Babysitter nach kurzer Zeit nach Hause gerufen wurde. Sie war nicht in der Lage, Kontrolle und Verantwortung ab zu geben, hatte schreckliche Ängste, daß, wenn sie sich nicht selbst um alles kümmert, alles schief geht und merkte nicht, wie durch ihr Klammern alles entglitt und sie und die Familie zerstörte.
Da sind einfach auch die Grenzen eines freiwilligen Elternkurses erreicht – wenn jemand mauert oder jemand einfach umfassendere Hilfe braucht.
Was hat Ihnen am Triple P Programm gefallen?
Klare Struktur
Klare erlernbare Erziehungstechniken
Rasche Entspannung der Problemsituation - Wirksamkeit
Die klaren Strukturen des Programms gefallen mir gut. Es gibt eine Handvoll Techniken, um sein Kind zu fördern und eine andere Handvoll Techniken, um es bei Fehlverhalten zu disziplinieren. Auch der Umgang mit sogenannten Risiko-Situationen und die Methode der Aktivitätenpläne fand ich wirklich hilfreich. Man lernt einfach, wenn in der Familie schon deutlicher Stress herrscht, wie man schnell wieder "Herrin" der Lage wird.
Worin besteht Ihre Kritik am Triple P Programm?
Triple P ist nicht für alle Eltern geeignet.
Triple P ist nur verhaltensorientiert, beachtet zu wenig den Standpunkt des Kindes und wirkt damit oberflächlich
Autoritäre Eltern können Triple P als Legitimation ihrer (oft unangemessenen) Strenge benutzen
Es wird zwar ein erwünschtes Verhalten erzielt, aber es ist fraglich, um welchen Preis.
Die Lebendigkeit des Kurses wird der Wissenschaftlichkeit geopfert.
Die meisten Werbematerialien sind einfach nur peinlich.
Das Triple P Elterntraining wird seitens der Organisatoren als Programm dargestellt, das vor allem präventiv wirken soll, also vorbeugend. Das finde ich missverständlich, denn die Inhalte zielen deutlich darauf ab, Eltern zu unterstützen, die bereits Schwierigkeiten mit der Erziehung ihrer Kinder haben. Mir fehlen die „Zwischentöne“ und der Handlungs- und Ermessensspielraum, auch individuell auf das Kind ein zu gehen. Es gibt nur Schwarz oder Weiß. Ich finde es ganz wichtig, mich zu fragen, warum ein Kind etwas macht und warum ich als Mutter etwas mache. Daraus ergeben sich viele Anhaltspunkte für die Erziehung.
Triple P ist ganz klar verhaltens- und handlungsorientiert, man könnte sogar böswillig sagen, es werden Eltern und Kinder einfach konditioniert. Das wirkt auch, die Erfolge sind unanfechtbar da. Aber um welchen Preis? Mir fehlt, dass das Kind mit seinen Bedürfnissen verstanden und ernst genommen wird.
Ein Beispiel: Das Kind weigert sich, abends zum Zähneputzen ins Bad zu gehen. Triple P gibt vor, eine klare Anweisung („Tobias, steh jetzt auf und geh ins Bad zum Zähneputzen!“) zu geben und dann bei Nichtbefolgen eine logische Konsequenz (bspw. das Wegnehmen des Spielzeugs für einige Minuten, mit dem es gerade gespielt hat) folgen zu lassen. Ich meine aber, man sollte auch schauen, in welcher Situation das Kind gerade ist, ob es unbedingt jetzt ins Bad gehen soll oder später auch noch kann. Ob man es irgendwo heraus reißt, ob es also auch einen triftigen Grund hat, gerade jetzt noch nicht zu wollen.
Dieser Vorspann fehlt bei Triple P völlig. Es geht von einer sehr machtvollen Elterlichen Autorität aus. Da kommt eben auch zum Tragen, dass es aus Australien kommt, wo möglicherweise ein ganz anderer Erziehungsstil Gang und Gäbe ist und eben auch eine ganz andere Mentalität vorherrscht.
Das ganze Programm wurde übersetzt, das merkt man schon. Es ist auch eher nicht für die Mittelschicht-Eltern gemacht, die freiwillig kommen würden und sich aktiv und fundiert mit ihrer Elternrolle beschäftigen wollen, obwohl Triple P gerade damit wirbt, für ALLE Eltern sein zu wollen.
Es ist meiner Erfahrung nach eher ein niedrigschwelliges Programm für Eltern, die eher ungeschickt in der Erziehung sind, denen Kreativität und Ideen fehlen, die eher keine klaren oder keine realistischen Erziehungs-Vorstellungen haben und denen eben auch schon die eine oder andere Situation zu entgleiten droht.
Die Ausbildung zum Triple P Trainer ist wunderbar geeignet für Mitarbeiter bei einer speziellen sozialen Einrichtung (Kita, Kindergarten, Schule oder Jugendamt, Mütterzentrum oder Kirchengemeinde), die diese Kurse im Rahmen ihrer Arbeitszeit (mit entsprechender Freistellung für die Unterrichts- und Beratungszeiten) durchführen und die in der Lage sind, Eltern mit auffälligen Kindern oder eigenem Problemverhalten anzusprechen und sie aufzufordern und zu ermutigen, in die Elterntrainings zu kommen.
Als freiberufliche Triple P Trainerin hat man entweder ein anderes Klientel (s.o.) oder man muss mit den Institutionen kooperieren, die einem dann die entsprechenden „Härtefälle“ zuspielen. Letzteres ist heute nur mit Idealismus und viel persönlichem Einsatz zu leisten, denn freiberuflich findet man in der Regel keine angemessenen Entgeltzahler.
Ein anderes Thema bezieht sich auf die wissenschaftliche Begleitung. Da die Kurse in wissenschaftlichen Studien ausgewertet werden, darf nichts verändert werden, um die Vergleichbarkeit nicht zu gefährden. Manchmal denke ich, daraus resultiert bei Triple P, dass der Mensch für die Wissenschaft und nicht mehr die Wissenschaft für den Menschen da ist. Mir fehlt, dass auch mal Kinder befragt werden, wie die Anwendung gewisser Methoden auf sie gewirkt hat oder man in den Kursen auf die Bedürfnisse der Eltern nach Austausch und Verständnis gezielter eingehen kann.
Nicht zuletzt muss ich einfach sagen, dass die Werbematerialien und Slogans von Triple P nicht so sind, dass ich sie gern verteile und mich von ihnen ansprechend beworben fühle. "Liebend gern erziehen" lässt einfach zu sehr das "gewollt, aber nicht gekonnt" mitschwingen.
Was hat Sie bewogen, nun Ihren eigenen Elternkurs zu starten?
Das Triple P Konzept ist zu unflexibel
Es geht am Bedarf vieler Eltern vorbei
Es lässt für mich wichtige Inhalte außen vor
Es setzt mich permanent unter Zeitdruck
Die Nachlizenzierungen sind mir zu teuer
Ich habe als Diplom-Pädagogin lange Erfahrung in der Erwachsenenbildung gesammelt. Triple P ist ein Lizenzprodukt, das dem Trainer minutiös vorschreibt, welche Inhalte er in welcher Zeit zu welchem Zeitpunkt des Kurses in welcher Form vermitteln muss. Ein deutlicher Teil der Ausbildung ging darum, zu üben, spezielle Inhalte in der vorgegebenen Zeit zu vermitteln. Das lässt mir als Profi keinen Spielraum. Bedürfnisse von Eltern müssen unberücksichtigt bleiben, weil der Kurs dafür keine Zeit lässt. Einige Inhalte (z.B. wie fördere ich mein Kind) werden mit Banalitäten (z.B. Methoden zum Beibringen neuer Fertigkeiten) unnötig in die Länge gezogen, andere Inhalte (z.B. Stiller Stuhl und Auszeit), für die erfahrungsgemäß ein höherer Klärungs- und Gesprächsbedarf besteht, müssen durchgepeitscht werden. Eine Entscheidungshilfe, wie ich herausfinden kann, was mein Kind gerade eigentlich möchte, fehlt ganz. Das machte mir einfach keinen Spaß mehr. Ich kann selber denken und einen Kurs so gestalten, dass er auf die Teilnehmer passt.
Ein weiteres Argument ist die Lizenzgebühr, die alle 2 Jahre erneut gezahlt werden muss, um weiter Triple P Trainerin sein zu dürfen. Für mich haben sich die in Aussicht gestellten Teilnahme-Entgelte von bis zu 250,- EUR pro Kurs überhaupt nicht bewahrheitet, die erreichbaren Entgelte liegen für mich in Hannover zzt. bei EUR 60-80,- zuzüglich Teilnehmerbuch. Da fällt das Buch mit knapp 20,- EUR schon deutlich ins Gewicht. Das bedeutet, ich muss allein einen Kurs geben, nur um die Lizenzgebühren zu bezahlen. Diese Rechnung lohnt sich für mich mit 2 eigenen kleinen Kindern nicht mehr.
Was ist in Ihrem Elternkurs anders?
„ganzheitlicher“ umfassender Ansatz
mehr Verständnis für das Kind
Kein „Überbügen“ einer Disziplinierungskette
Mehr Austausch und Rückhalt in der Gruppe
Weniger Zeitdruck, nur wirklich sinnvolle Inhalte
Ich habe mich entschieden, anders an das Thema heran zu gehen. Ich möchte zunächst Verständnis wecken für das kindliche Verhalten, damit Eltern es besser einordnen können und aufgrund ihres Wissens noch konsequenter und sicherer handeln können. Eltern müssen wissen, auf welchen Ebenen sie eine tiefe und tragfähige Beziehung zu ihren Kindern bauen können und welches die besten Möglichkeiten für ihr Kind sind. Auf dieser Basis kann jeder Teilnehmer dann heraus finden, wo Kinder und auch die Eltern Grenzen verletzen und wo sie sich selbst und der Familie schaden.
Dann werden wir selbstverständlich auch darüber sprechen, wie man als Eltern wirkungsvolle Grenzen setzt und durchhält, da wo sie sinnvoll sind und welche Alternativen es gibt zu autoritärem Verhalten, das für viele der eigentlich verhasste Notnagel ist, über den sie sich eigentlich ärgern. Wir sprechen dann auch mehrere Situationen durch, die Zündstoff für die typischen Erziehungskrachs bieten und schauen, ob man auch vorbeugend schon aktiv werden kann und was man auf jeder Stufe der Eskalation tun kann, um wieder zum Frieden zu kommen.
Der Austausch über die aktuellen Probleme und die gemeinsame Suche nach kreativen Lösungen bekommt Raum, da es für Eltern enorm wichtig ist zu wissen, dass sie nicht die einzigen sind, denen etwas nicht gelingt. Ganz wichtig ist mir, nach der Seminarphase noch jeweils drei Gespräche mit den einzelnen Eltern zu führen, damit sie den Transfer der Seminarinhalte auf ihre persönliche Alltagssituation auch wirklich gut schaffen.
Zusammenfassend kann man sagen, dass mein „Elternkurs“ eine gelungene Auswertung der aktuellen Erziehungslandschaft ist, aber für Familien in Deutschland konzipiert, pragmatisch und lebensnah. Es wird nicht nur ein einziger psychologischer Ansatz (wie bei Triple P) zugrunde gelegt, es wird nicht nur diskutiert (wie bei „Starke Eltern – Starke Kinder) und es ist nicht so weitschweifig und wenig konkret wie STEP.
Welche Inhalte werden im „Elternkurs“ denn konkret behandelt?
Einheit 1: Standortbestimmung und Ziel
- Grundprinzipien gelungener Erziehung
- Wie entsteht Problemverhalten beim Kind?
- Familienwerte/ Ziele setzen
Ich möchte zunächst mit den Eltern darüber sprechen, was ihrer Meinung nach alles zu einer gelingenden Erziehung beiträgt. Das reichere ich an mit Ergebnissen aus entsprechenden Studien und versuche ihnen die Angst zu nehmen, dass Defizite unaufholbar sind. Aber eben nicht mit Stoppuhr, sondern mit der nötigen Ruhe, weil dies auch ein guter Einstieg ist, um miteinander arbeitsfähig zu werden und sich untereinander kennen zu lernen. Dann sprechen wir darüber, wie kindliches oder elterliches Fehlverhalten entsteht und was das Kind mit seinem bzw. die Eltern mit ihrem Verhalten eigentlich erreichen wollen. Ich möchte also zeigen, dass beide Intentionen nachvollziehbar und legitim sind. Dann sollen sich die Eltern allerdings Gedanken darüber machen, was ihnen in ihrer eigenen Familie wichtig ist, wie so eine Art Haustafel, also was sie im Laufe des Kurses an Werten und Erziehungszielen leben und umsetzen wollen.
Einheit 2: Sich aufeinander einlassen
- Nachbesprechung der „Übungsaufgaben“
- Was für ein Mensch ist mein Kind?
- Was für ein Mensch bin ich?
- Wie gehen wir gut miteinander um?
In der 2. Kursstunde gebe ich den Eltern aktuelle Modelle an die Hand, mit denen es ihnen leichter fällt, die Eigenarten ihres Kindes als Persönlichkeitsmerkmale anzuerkennen und nicht gegen ihr Kind an zu arbeiten, weil sie meinen, es müsse anders sein. In all meinen Kursen hatte ich immer wieder den Eindruck, Eltern ruhiger Kinder wollten diese zu Energiebündeln umerziehen und die Eltern sehr aktiver Kinder wünschten sich oft ebenfalls einen Wesenswandlung. Das machte dann häufig schon mal so eine Art „Grundenttäuschung“ im Umgang aus. Wichtig ist auch, den Eltern zu zeigen, wo sich einfach aufgrund des Temperaments der Familienmitglieder Reibungspunkte bilden und wie sie damit gelassener umgehen können. Schön ist, dass ich dabei ganz verschiedene Modelle heran ziehen kann (auf jeden Fall DISG, ggfs auch tiefenpsychologische Modelle oder das Enneagramm, je nach Interesse der Eltern).
Einheit 3: Förderung kindlicher Entwicklung
- Nachbesprechung der „Übungsaufgaben“
- Die Beziehung zum Kind vertiefen
- sozial angemessenes Verhalten fördern
In der 3. Stunde geht es darum, wie ich mein Kind fördern kann. Dabei meint fördern eben nicht nur, wie es besser und schneller weiter kommt, sondern vor allem, wie es zu einer integren Persönlichkeit wird. Dabei spielt auch der Umgang mit seinen Gefühlen eine große Rolle. Daneben besprechen wir dann auch konkret, was ich in welchem Alter von meinem Kind erwarten kann und wie die Kooperation des Kindes angeregt werden kann.
Einheit 4: Problemverhalten reduzieren
- Nachbesprechung der „Übungsaufgaben“
- Umgang mit problematischem Verhalten
- Balance von Eingreifen/ Gewähren lassen
In der 4. Stunde dann sprechen wir über die Schwierigkeiten in den Familien – sei es Lügen, Hauen, Sachen wegnehmen, Brüllen, Dinge zerstören, notorisches Zuspätkommen, Ungehorsam oder das Sich-Einigeln von Kindern, was auch immer die Eltern da so ansprechen möchten. Hierfür besprechen wir auf der Basis des in den letzten Stunden Gelernten wirkungsvolle Techniken, die dieses Verhalten „knacken“ können. Oft sind Eltern ja auch unsicher, wann sie eingreifen müssen und was sich sozusagen „von alleine auswächst“. Da ist es gut, sich seine persönliche kleine „Checkliste“ zusammen zu stellen, was ein Kind selbst regeln können sollte bzw. was eben „nur eine Phase“ ist und wo man als Eltern aber eingreifen und Grenzen setzen muß.
Einheit 5: Perspektiven entwickeln
- Nachbesprechung der „Übungsaufgaben“
- Risiken und Routinen im Erziehungsalltag
- Gespräch zu aktuellen Erziehungsfragen
- Vorbereiten der Telefonkontakte
In der 5. Stunde schauen wir uns dann solche riskanten Situationen an, wo meistens besonderer Stress herrscht – Einkaufen mit Kindern, lange Wartezeiten beim Arzt, wichtige ungestörte Telefonate oder Familienfeiern, gemeinsames Essen o.ä. Wir entwickeln Strategien, die Eltern helfen, solche potenziellen Stresssituationen von vorn herein zu entschärfen. Des Weiteren ist dann genug Zeit eingeplant, wo Eltern über weitere brennende Fragen sprechen können, wie Sauberkeitserziehung, Hausaufgaben machen, Klamotten, Taschengeld, „schlechte“ Freunde etc. und von mir und voneinander wertvolle Tipps und Ideen bekommen. Ausserdem besprechen wir, wie die nachfolgenden Telefongespräche gestaltet werden.
Einheit 6-8: konkrete Umsetzung
3 individuelle je 20-30-minütige Telefonkontakte im Abstand von 1-2 Wochen zur Vertiefung und Festigung des Gelernten sowie zur konkreten Anwendung in der eigenen familiären Situation.
Die Telefonate werden vorher terminiert, die Eltern rufen mich zur vereinbarten Zeit an und sprechen mit mir über die Dinge, die gerade „obenauf“ liegen – den letzten Streit mit dem Kind, ein Dauerbrennerthema, bei dem sie noch nicht so recht weiter kommen oder auch, wie sie mit zukünftigen Situationen (geplanter Urlaub oder Krankenhausaufenthalt) umgehen können. Das ist ganz wichtig, um die gelernten Erziehungstechniken und Inhalte zu vertiefen und gute Dinge in der Familie zu verankern.
Was ist Ihnen selbst in der Erziehung Ihrer eigenen Kinder am wichtigsten?
Den Kindern etwas zutrauen! So lernen sie Selbstvertrauen und entwickeln ein gesundes Selbstgefühl. Dabei gehört eine Beule oder ein Misserfolg völlig selbstverständlich zum Lernprozess!
Zulassen, dass das Kind seine eigenen Erfahrungen machen darf – wir hörten ja auch nicht auf die moralischen Ratschläge unserer Eltern!
Das Kind wirklich ernst nehmen und immer bedenken, dass es für sein Verhalten Gründe gibt, die in der kindlichen Logik ihre Legitimation besitzen.
Aber auch im Zweifelsfall klar sagen, was geht und was nicht. Es gibt Situationen, da muß das Kind einfach kooperieren, und zwar ohne Diskussion. Kinder und Erwachsene sind zwar gleichwertig, aber nicht gleichberechtigt!!!
Sprechen, sprechen, sprechen! Dem Kind immer wieder auch sagen, dass man es lieb hat, dem Kind begründen, warum etwas so gerade nicht geht, dem Kind Handlungsalternativen vorstellen, ihm helfen, seine Erlebnisse und Gefühle in Worte zu fassen und immer wieder darauf eingehen, was es interessiert.
Was ist der Vorteil eines unabhängigen Trainings?
Ich kann auf die Bedürfnisse meiner Teilnehmer individuell eingehen. Ich kann lokale Besonderheiten oder Gegebenheiten berücksichtigen und mein Programm flexibel gestalten. Vor allem kann ich mich mit meinen Unterrichtsmethoden nach den Möglichkeiten der Gruppe richten und frei von Ideologien oder psychologischen Richtungen das vermitteln, was zu mir und den Eltern passt!
Hat es Nachteile, wenn Sie nicht mehr als Triple P Trainerin, sondern "in eigener Sache" aktiv sind?
Ja, natürlich. Triple P erfährt ja gerade einige mediale Aufmerksamkeit, da kommen einige Eltern eben aufgrund des Namens schon zu mir. Als freie Trainerin mit einem sozusagenen „Noname-Konzept“ muß man sich seine Reputationen noch mehr erarbeiten, noch mehr auf Mund-zu-Nund-Propaganda der Eltern hoffen und bei einschlägigen Einrichtungen vorstellig werden. Und man kann auch nicht ganz so hohe Teilnahmeentgelte fordern.
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